Im Fokus | Prinzipien wirksamer Veränderung

banner_veränderungWarum verändern sich manche Unternehmen und Personen zielgerichtet und andere tun sich so schwer damit? Allein an den Managementmethoden kann es nicht liegen. Da gibt es viele und solche die gerade angesagt sind, das wechselt beständig. Wir haben festgestellt, dass nachhaltige Veränderung durch einige wenige Prinzipien erreicht wird. Sie bilden die Grundlage für die Art und Weise, wie in erfolgreichen Unternehmen Veränderung gelingt.

Stellen Sie sich vor: Da sind zwei Unternehmen, die zeitgleich und engagiert einen Prozess der Unternehmensentwicklung starten. Nach einiger Zeit entwickeln sich die beiden Unternehmen jedoch sehr unterschiedlich. Während im einen Unternehmen die Veränderungsdynamik über Jahre hochgehalten wird und es sich zielgerichtet gesund entwickelt, flacht beim anderen die Dynamik nach zwei bis drei Jahren stark ab. Und das, obwohl gleichartige Instrumente und Methoden zum Einsatz gekommen sind. Diese unterschiedliche Entwicklungsdynamik haben wir Unternehmenslotsen immer wieder erlebt. Deshalb haben wir begonnen nachzuforschen, was die tiefer liegenden Gründe dafür sind, dass sich Unternehmen so unterschiedlich entwickeln.

Prinzipien machen den Unterschied
Nachhaltige Veränderung braucht einen guten Nährboden. Wir nennen ihn Prinzipien. Diese bilden die Grundhaltung, wie im gesamten Unternehmen gedacht, entschieden und gehandelt wird. Sie wirken aber nicht nur auf unternehmerischer Ebene, sondern auch bei persönlichen Veränderungsprozessen. Sind diese Prinzipien Teil des gelebten Alltages, können Veränderungen nachhaltig gelingen. Wir sehen fünf zentrale Prinzipien wirksamer Entwicklung: Fokussierung, Kooperation, Systematik, Disziplin und Wirksamkeit.

Fokussierung – Konzentration bedeutet Verzicht und damit Gewinn
Fokussierung ist eine Kunst, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Unser Alltag ist geprägt von hoher Veränderungsgeschwindigkeit und steigender Komplexität. Die Gefahr ist groß, sich in den vielfältigen Optionen des operativen Geschäftes zu verzetteln. Es geht vielmehr darum, die vorhandenen begrenzten Ressourcen zielgerichtet einzusetzen. Das ist kein einfacher Prozess, bei sich selbst sowie im Unternehmen so unbestechlich hinzuschauen.

Kooperation – Ohne Vertrauen geht es nicht
Wenn es in einem Unternehmen nicht gelingt, eine Kultur der Kooperation zu etablieren, wird es in Veränderungsprozessen immer haken. Gelebte Kooperation wird sichtbar, wenn alle Beteiligten vertrauensvoll agieren und professionell zusammenarbeiten. Das beginnt beim Chef und dem Führungsteam. Können die Mitarbeiter ihnen wirklich vertrauen, tun sie das, was sie sagen und umgekehrt, sind sie verlässlich? Sonst sichern sich alle nur noch ab, sagen nicht mehr ihre ehrliche Meinung, halten ihr Engagement zurück. Wenn hingegen im Unternehmen sowie mit Lieferanten und Kunden vertrauensvoll agiert und professionell zusammengearbeitet wird, entstehen sichtbare Synergien.

Systematik – Vorgehensweisen strukturiert hinterfragen
Veränderung ist heute ein offener Prozess. Mit dem Erreichten zufrieden zu sein, das kann der Anfang vom Ende sein. Deshalb gilt es, Veränderungsprozesse zu systematisieren. Plan – do – check – act:  Dieser Zyklus sollte kontinuierlich und nachhaltig Anwendung finden und Teil der strategischen Ausrichtung werden. Es geht darum, das eigene Tun regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen. Warum tun wir das, sind das noch die richtigen Ziele, passen die Abläufe und Standards? Systematisches Hinterfragen hilft, die Routinen zu durchbrechen, nach vorne zu denken und einen zielgerichteten Verbesserungsprozess zu etablieren.

Disziplin – Mit Konsequenz und Verlässlichkeit in die Umsetzung gehen
Selbst die besten Ziele und geplanten Maßnahmen zerschellen an der Realität, wenn sie nicht konsequent umgesetzt werden. Damit Veränderungen gelingen, braucht es Menschen, die diszipliniert denken und auch diszipliniert handeln. Denn die Frage lautet, was passiert, wenn nichts passiert in der Umsetzung? Hier ist die Führung gefordert: Vorbild sein, Zusagen und Termine einhalten und für die Mitarbeiter da sein. Wenn auf den Chef und sein Führungsteam wirklich Verlass ist und sie vorangehen, kann im Unternehmen ein hohes Maß an Verlässlichkeit zur Kultur werden.

Wirksamkeit – Aufwand und Ertrag ins Gleichgewicht bringen
Ein Unternehmen ist leistungsstark, weil Führungskräfte und Mitarbeiter darauf achten, dass der aufgewendete Einsatz im richtigen Verhältnis zum Ergebnis steht. Gefahr droht immer dann, wenn zu viel auf der Agenda steht und die Ziele unrealistisch werden. Wirksamkeit heißt also, den Weg der Veränderung zu gehen, aber dabei Tempo und Anforderungen realistisch zu halten. Ansonsten kippt die Stimmung bei den Mitarbeitern.

Zusammenspiel der fünf Prinzipien
Werden diese fünf Prinzipien persönlich sowie im Unternehmen gelebt, dann entfalten sich Veränderungsprozesse nachhaltig und wirksam. Diese Prinzipien bieten also eine Art Indikator für den Erfolg oder Misserfolg. Die Erfahrungen in der Umsetzungspraxis zeigen, dass es bei Problemen im Veränderungsprozess bei mindestens einem dieser Prinzipien hakt. Wer da genauer hinschaut, kann schnell die Ursachen für eine Verlangsamung der Dynamik finden.

So gibt es Unternehmen, welche die Prinzipien Disziplin und Systematik im Alltag konsequent und gut  umgesetzt haben. Doch die Führungsmannschaft wundert sich darüber, dass alle Mitarbeiter unter Überlastung leiden. Womöglich ist das Prinzip der Fokussierung in diesen Fall schwach ausgeprägt. Das kann heißen: Führungskräfte und Mitarbeiter schleppen zu viele Ziele vor sich her. Sie tun sich schwer damit, zu fokussieren und Unwesentliches auch einmal bleiben zu lassen. Aus diesem Blick auf die gelebte Kultur im Unternehmen ergibt sich dann eine klare Aufgabe. Jetzt gilt es für die Führung, unternehmensweit am Prinzip der Fokussierung zu arbeiten, um ausreichend Freiräume für die wichtigen Ziele, Aufgaben und Themen zu schaffen.

Checkfragen zu den fünf Prinzipien:

  • Habe ich in meinem Verantwortungsbereich klare Ziele, die deutlich machen, was zuallererst erreicht werden soll?
  • Bin ich vorbildlich in der Umsetzung meiner verantworteten Ziele und Maßnahmen?
  • Überprüfe ich in regelmäßigen Abständen, ob durch meine Ziele auch die Veränderung realisiert wurde, die ich mir zu Beginn vorgenommen habe?
  • Steht der Aufwand an Kraft, Zeit oder Ressourcen, den ich für die Erreichung meiner Ziele einsetze, in einem sinnhaften Verhältnis zum erzielten Ergebnis?
  • Suche ich regelmäßig Feedback in meinem direkten Umfeld, um wertvolle Informationen für meine persönliche Weiterentwicklung zu erhalten?

 

Lars Stängle
Über den Autor
Lars Stängle, Jahrgang 1970, verheiratet, 2 Kinder, Dipl.-Betriebswirt (FH), EFQM Assessor. Studium der Betriebswirtschaft in Nürtingen und Michigan/USA. Acht Jahre verantwortlich für den Aufbau eines mittelständischen Beratungsunternehmens. Entwickler mehrerer etablierter Reifegradmodelle zur Unternehmensentwicklung. Mehrfacher Buchautor zu Fragen der Unternehmens- und Mitarbeiterführung. Als unabhängiger Berater begleitet Lars Stängle mittelständische Unternehmen seit 1999 in Führungsfragen. Sein Ziel ist die langfristig gesunde Entwicklung von Menschen und Organisationen. Dazu bietet er in herausfordernden Führungssituationen Orientierung an, gibt Hilfe zur Selbsthilfe und begleitet in der Umsetzung.