Warum soll ich immer die Fehler meiner Mitarbeiter ausbaden?

Februar 19, 2016
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Fehler

5 Tipps zur dauerhaften Fehlervermeidung

Wie sieht es in Ihrem Unternehmen aus? Welche Fehlerkultur herrscht bei Ihnen vor? Fehlervermeidung oder Schuld ist immer der andere! Durch die Geschwindigkeit und Komplexität unserer Zeit passieren immer mehr Fehler, immer mehr muss bedacht und organisiert werden, und eigentlich haben wir keine Zeit mehr, Fehler zu beseitigen. Aber wie schaffe ich eine Fehlervermeidungskultur?

1. Kooperation
Keiner weiß besser, wie es richtig geht, als der, der es jeden Tag tut, man fragt ihn bloß zu wenig. Häufig wissen Mitarbeiter sehr genau, wie man Fehler im Betrieb vermeiden kann, jedoch glauben sie, dass Fehlervermeidung Chefsache wäre oder ihre Meinung sowieso nicht gefragt sei. Binden Sie Ihre Mitarbeiter in den Fehlervermeidungsprozess ein. Geben Sie Ihnen Rederecht und Lösungsrecht.

2. Fokussierung
Kennen sie ihre wertschöpfenden Abläufe? Wo geschehen die meisten Fehler? Häufig scheitern Fehlervermeidungssysteme, weil man sich nicht auf bestimmte Bereiche konzentriert. Dann versucht man alles irgendwie halb zu machen und häufig verlieren die Beteiligten ob der Fülle der Fehler die Lust am Verbessern. Suchen Sie sich lohnende Bereiche aus. Konzentrieren Sie sich auf einzelne Fehler. Es ist die Summe der kleinen Fehlervermeidungen, die zu einem funktionierenden „Laden“ führt.

3. Installieren Sie einfache Fehlerspeicher.
Dies sind z. B. Flipchartblätter mit Stift, an denen man eben einen Fehler notieren, oder eine Magnetwand, an denen man Karten anpinnen kann. Der Fehlerspeicher sollte an gut einsehbaren Plätzen sein und mitten im Geschehen. Kein Mensch geht für einen kleinen Fehler in der Werkstatt oder von der Baustelle ins Büro. Auf dem Weg dahin hat man den Fehler schon vergessen. Der Bereichsverantwortliche sorgt dafür, dass der Fehlerspeicher auch genutzt wird, indem er den Fehlerspeicher selbst vorbildlich nutzt. Regelmäßig gibt es kurze Teamsitzungen, in denen die Fehler besprochen werden und das gesamte Team an der Lösung arbeitet. Danach wird die Lösung eingeführt und es wir überwacht, ob der Fehler jetzt weg ist. Wichtig: Die Sitzungen sollten regelmäßig stattfinden.

4. Wie viele Fehler passieren bei Ihnen im Monat in welchen Abteilungen?
Toll, so viele Fehler wurden diesen Monat gemeldet! Wie viele Fehler konnten wir schon dauerhaft abstellen? So viele … Gut! Machen Sie weiter, Ihr Fehlerspeicher gibt wohl Sinn! Sie sollten Ihre Fehler und Ihre erfolgreich abgestellten Fehler messen. Oft lässt sich Fehlervermeidung auch im Rohertrag erkennen. Ohne Wirksamkeitsmessung könnte Ihr Fehlerspeicher als unnötiges Übel verpuffen, bevor es richtig angefangen hat, also wachsam sein und von Anfang an mitmessen!

5. Disziplin
Was passiert, wenn nichts passiert? Sie und Ihre Führungskräfte sind für Ergebnisse verantwortlich. Also wenn der Fehlerspeicher nicht genutzt wird, dann sollten Sie nachfragen, warum nicht, und Ihren Mitarbeiter ermutigen, Fehler zu melden. (Häufig werden Fehler im Flurfunk besprochen, das ist zwar ein Indiz, dass es bei Ihnen Fehler gibt, jedoch werden die Fehler so nie abgestellt.) Sie sind verantwortlich, dass gemeldete Fehler auch zeitnah besprochen und dauerhaft, z. B. über Checklisten, Anweisungen, Verantwortlichkeiten etc. abgestellt werden, damit Ihre Mitarbeiter mitbekommen, dass es Ihnen ernst ist. Und Sie sind dafür verantwortlich, dass Mitarbeiter sich auch an die neuen Fehlervermeidungshilfen halten. Kurze Mitarbeitergespräche helfen Ihnen, zu verstehen, warum jemand etwas nicht tut und wie Sie ihm helfen können, damit er es tut.

 

Viele Führungskräfte glauben, dass sie dafür keine Zeit haben (Fehlerspeicher, regelmäßige Teammeetings, Mitarbeitergespräche). Meine Erfahrung ist, immer wieder aufs Neue Fehler zu korrigieren, sich über wiederholende Fehler zu ärgern, Kundenreklamationen abzuarbeiten, kostet wesentlich mehr Zeit und Nerven. Also es lohnt sich! Fangen Sie einfach an.

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Arne Bär
Über den Autor
Arne Bär, Jahrgang 1966, verheiratet, 3 Kinder, Dipl.-Ing. (FH). Er verantwortete mehr als 20 Jahre die Position des Geschäftsführers der G. Fleischhauer Ingenieurbüro Bremen GmbH, ein Unternehmen mit 40 Mitarbeitern aus der Informations- und Sicherheitstechnik. Für seine mitarbeiterorientierte Führung wurde das Unternehmen mehrfach ausgezeichnet. In seiner erfahrungs- und motivationsstarken Art leitet Arne Bär Seminare zur ganzheitlichen Führungskräfteentwicklung und begleitet Inhaber, Geschäftsführer sowie Führungskräfte der ersten Ebenen bei der Umsetzung vor Ort. Koautor eines branchenspezifischen Unternehmensmodells sowie des Managementbuches „Unternehmer beraten Unternehmen“. Arne Bär hält zahlreiche Vorträge, Workshops im In- und Ausland; möchte man den Zuhörern glauben, dann überzeugt nicht nur der Praxisbezug, sondern eine gute Portion hanseatischer Witz und Charme. Über sich selbst sagt er: „Ich bin ein Mann aus der Praxis für die Praxis.“