Managementkompetenzen für den Alltag | Teil 6: Führung anderer – Leistung stärken

Juni 01, 2015
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Es ist durchaus normal, wenn Führungskräfte einen Großteil ihrer Zeit mit Fachaufgaben und operativen Aktivitäten verbringen. Wenn Sie jedoch entdecken, dass Führung eine Aufgabe ist und nicht nur eine Funktion, stellt sich ihnen nicht selten die Frage: Was mache ich denn jetzt konkret? Wie übe ich denn Führung aus? Menschen sind unterschiedlich und die Anforderungen der Arbeit und der Situation sind es eben auch.

Einen sehr praktischen und wirksamen Zugang zu dem Thema verdanken wir den US-Amerikanern Ken Blanchard und Paul Hersey, die bereits in den 80er Jahren darüber nachdachten, wie sich Führung auf die Leistung eines Mitarbeiters auswirkt. Sie gehen davon aus, dass zum einen die Motivation und zum anderen die Kompetenz (Fähigkeit) des Mitarbeiters auf die Leistung einen maßgeblichen Einfluss haben. Es gibt erkennbare Situationen im Arbeitsalltag, die aufgrund unterschiedlicher Motivation und Kompetenz des Mitarbeiters unterschiedliche Führungsstile erfordern. Diese lassen sich in vier erkennbaren Phasen und mit vier unterscheidbaren Führungsstilen formulieren.

Phase 1: Der Zauber des Neuanfangs – Rahmen setzen!
Der Mitarbeiter hat anfangs viel Motivation. Er freut sich über eine neue Aufgabe, bringt jedoch wenig konkrete Fähigkeiten mit, die Aufgabe zu bewältigen. Die Führungskraft setzt einen dirigierenden Führungsstil ein. Der Mitarbeiter benötigt einen klaren Rahmen, konkrete Informationen, wie, wann, wo und was zu tun ist. So kann er schnell die Anforderungen erkennen und sich darauf einstellen.

Phase 2: Willkommen in der Realität – Unterstützung bieten!
Aufgrund der noch mangelnden Kompetenz kommt es zu Enttäuschungen und Missverständnissen. Die Motivation stürzt in den Keller der Gefühle: „Wenn ich das gewusst hätte …“. Jetzt benötigt der Mitarbeiter konkrete Unterstützung, um seine Kompetenzen zu entwickeln. Also setzen Sie den trainierenden Führungsstil ein. Sie üben gemeinsam die wichtigen Aufgaben, wie bspw. Umgang mit Kunden oder die Planung der Arbeit.

Phase 3: Routine lähmt – Herausforderung schaffen!
Die Erfahrung des Mitarbeiters nimmt zu und damit auch die Fähigkeiten, die entsprechende Aufgabe zu erledigen. Gleichzeitig stellt sich eine gewisse Routine ein, die sich auf die Motivation schwankend auswirkt. Mitarbeiter, die kompetent sind, es ihnen jedoch an Motivation mangelt, brauchen eine Herausforderung. Mit einem fordernden Führungsstil werden im Dialog neue Perspektiven entwickelt und der Mitarbeiter in Verantwortung genommen.

Phase 4: Leistung leben – Delegation ermöglichen!
Menschen, die Erfolg und Erfüllung in ihrer Arbeit erleben, sind motiviert und fühlen sich den Aufgaben und den Herausforderungen gewachsen. Sie leisten einen Beitrag und erleben sich als Agierende. Mit einem delegierenden Führungsstil erhalten sie von der Führungskraft Handlungsfreiheit und einen Gestaltungsrahmen. Wesentlich für Führungskräfte ist es nun, loszulassen. Nur wer Aufgaben anderen anvertraut, hat leere Hände, die Neues anpacken können.

Beginnen Sie noch heute, Ihre Mitarbeiter bewusster zu führen. Es steht Ihnen ein Arbeitsbogen zur Verfügung, mit dem Sie für jeden ihrer Mitarbeiter bestimmen können, in welcher Phase er sich befindet und welche Führung er in der aktuellen Situation benötigt.

Download: Kurz-Workshop – Führung anderer

Marcus Hausner
Über den Autor
Marcus B. Hausner begleitet als Unternehmenslotse seit Jahren Inhaber, Geschäftsführer und Führungskräfte auf ihrer Reise zu persönlichem und unternehmerischem Wachstum. Mit seinem Studium der Betriebswirtschaft in Stuttgart und der Beratungswissenschaft in Heidelberg ist es ihm als Lotse ein Anliegen, eine wertebasierte und wirksame Unternehmens- und Führungskultur in Organisationen zu stärken. Mit seinem komplementären Beratungsansatz verbindet er die Erkenntnisse jüngerer Systemtheorien, wie der Synergetik oder der Chaosforschung mit bodenständigem Know-how aus mehr als 15 Jahren Beratungsarbeit.