Managementkompetenzen für den Alltag | Teil 3: Selbstführung

Vor einigen Tagen bat mich ein Geschäftsführer zu sich. „Herr Hausner, wir müssen was zum Thema Führung tun!“ „Nun was sind denn Ihre Vorstellungen?“, erwiderte ich. „Na, ja! Machen sie doch ein Seminar für meine Meister, damit sie besser mit ihren Leuten umgehen.“ Meine Antwort: „Welches Vorbild haben denn ihre Meister?“ Erstaunte Augen blickten mich an. Peter Drucker, der als „Erfinder“ des modernen Managements gilt, meinte: Wer sich selbst nicht managen kann, kann gar nichts managen. Selbstführung ist die Kompetenz, aus der sich alles andere Führungshandeln ableitet.

Ich will heute aus diesem weiten Themenfeld einen zentralen Aspekt herausgreifen. Die Frage: Wie setze ich gute Prioritäten? Der Begriff wird oft verwendet. Was bedeutet er? In dem Wort steckt „prior“, lat. zuoberst, als Erstes. Der Vorsteher eines Klosters trägt den Titel des Priors. In der Arbeitswelt haben wir viele Entscheidungen darüber zu treffen, welche Aufgaben ‚zuoberst‘ liegen und damit bearbeitet werden und welche – bildlich gesprochen – weiter unten im Stapel auf spätere Bearbeitung zu warten haben oder vielleicht gar nicht angepackt werden. Fakt ist, die Arbeitsbelastung steigt ständig. Es ist weit mehr Arbeit vorhanden, als jemals zu bewältigen wäre. Was also tun? Eben: Prioritäten setzen. Dazu erhalten Sie heute drei praktische Tipps.

1. Entdecken sie die wesentlichen Aufgaben – von Zebras und Affen
In meinen Trainings empfehle ich meinen Teilnehmern, alle Aufgaben und Situationen in zwei Tiere einzuteilen. Die Affen stehen für A-F-F-E – also „Aktivitäten Für Fremde Erwartungen“. Diese Tierchen sind dreist, schnell und breiten sich im Handumdrehen aus. Der Arbeitstag ist so schnell vorbei, alleine wenn Sie die Affen jagen oder sich gar ihnen widmen. Daneben existiert eine weitaus ruhigere, ja man könnte schon sagen, scheue Spezies. Die Zebras – Z-E-B-R-A – „Ziele, Ergebnisse, Budget, Rahmenbedingungen und die daraus resultierenden Aufgaben“. Diese gilt es zu finden, zu hegen und zu pflegen. Gedankenspielerei? Im Gegenteil. Sie treffen mehrere hundertmal am Tag die Entscheidung, ob Sie sich nun einem ‚Tierchen‘ zuwenden oder eben nicht.

2. Nehmen Sie sich Zeit zum Nach-Denken und Voraus-Denken
Um gute Entscheidungen zu treffen, brauchen Sie Voraussetzungen. Zeit zur Reflexion ist eine wichtige. Nehmen Sie sich einmal pro Woche 90 min Zeit, einmal im Monat einen halben Tag und zweimal im Jahr zwei Tage Zeit, um eines zu tun: Nach-Denken. Luxus? Als Führungskraft werden Sie dafür bezahlt, für Richtung zu sorgen. Und bevor sie in eine Richtung handeln, sollten sie zuvor in eine Richtung denken. Deshalb sind Rückblick (Wo komme ich her?) und Ausblick (Wo will ich hin?) unersetzbar, wenn Sie Ihre Zebras kennen und Sie diese nicht unter der Horde Affen verlieren wollen.

3. Führen Sie eine Stopp-Liste und eine Warte-Liste
Der Segen und der Fluch unserer Zeit ist: Alles ist möglich! So erscheint es zumindest und so erliegen wir, ganze Unternehmen und Branchen einer Illusion. Wir meinen immer mehr erledigen zu können. Die Projekte und die Sonderaufgaben häufen sich und das Einzige, was wächst, ist der Berg unerledigter To-dos und aufgeschobener Deadlines. Ein bewährtes Werkzeug, das ich als Moderator von Strategietagen verwende, ist die Stopp-Liste und die Warte-Liste. Wenn Sie als Führungskraft oder als Unternehmen wirklich etwas wollen, dann müssen (sic!) Sie an anderer Stelle streichen oder zumindest Aufgaben auf ‚Warten‘ stellen, sonst produzieren Sie nur Absichtserklärungen, jedoch keine Resultate. Das erfordert Selbstdisziplin und Selbstführung.

Kurz-Workshop – Selbstführung

Marcus Hausner
Über den Autor
Marcus B. Hausner begleitet als Unternehmenslotse seit Jahren Inhaber, Geschäftsführer und Führungskräfte auf ihrer Reise zu persönlichem und unternehmerischem Wachstum. Mit seinem Studium der Betriebswirtschaft in Stuttgart und der Beratungswissenschaft in Heidelberg ist es ihm als Lotse ein Anliegen, eine wertebasierte und wirksame Unternehmens- und Führungskultur in Organisationen zu stärken. Mit seinem komplementären Beratungsansatz verbindet er die Erkenntnisse jüngerer Systemtheorien, wie der Synergetik oder der Chaosforschung mit bodenständigem Know-how aus mehr als 15 Jahren Beratungsarbeit.