Kapitän im Gespräch | Heute: Dachdeckermeister Bastian Kleinwechter

Bild1
Bastian Kleinwechter übernahm 2007 vom Vater den Familienbetrieb Kleinwechter & Bröker GmbH in Havixbeck bei Münster. Inzwischen führt er einen zweiten Dachdecker- und Zimmereibetrieb in der Region und beschäftigt insgesamt über 30 Mitarbeiter. Kleinwechter ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

Was war der Impuls dafür, das Thema Selbstführung anzugehen?

Meine Eltern hatten damals Arne Bär zu einem Kaizen-Workshop eingeladen. Es ging um Ordnung im Büro. Die Art, wie Bär die Dinge klar sieht und benennt, hat mich angesprochen. Das gilt auch für das Thema Führung, das er von der Umsetzung her denkt und lebt. Gestartet bin ich mit einem Seminar Führungskräfteentwicklung und bis heute mache ich zweimal im Jahr mit Bär ein Einzelcoaching. So näherte ich mich dem Thema Schritt für Schritt.

Gab es auch einen persönlichen Impuls?

Sicher. Ich arbeitete viel zu viel, war morgens der erste und abends der letzte im Büro. Klar war zudem, ich bin auch am Wochenende im Betrieb. Das kam auch daher, dass ich vom Typ her einer bin, der sehr viele Ideen hat, der kreativ ist und Neues ausprobiert. Doch damals standen Aufwand und Ertrag in keinem guten Verhältnis.

Was hat Sie da wachgerüttelt?

Ich erinnere mich an einen Termin mit Arne Bär. Da ging es darum, was ich von dem, was ich mir vorgenommen hatte, auch tatsächlich umgesetzt habe. Und das war viel zu wenig. Da sagte er mir: „Wenn sich das nicht ändert, komme ich nicht wieder.“ Das war wichtig für mich.

Wie ging es dann weiter?

Ich habe dann immer mehr einen klaren Blick für die Dinge entwickelt, also welche Projekte wirklich wichtig sind für den Betrieb. Seitdem gehen wir ein, zwei Projekte im Jahr an, und das richtig. Meine Mitarbeiter sehen jetzt, dass ich da in der Umsetzung vorangehe und ziehen mit. Davor haben sie gedacht: „Der Chef hat mal wieder eine neue Idee, das halten wir schon aus, das erledigt sich schnell.“

Was haben Sie dabei persönlich gelernt und geändert?

Der Fisch stinkt immer vom Kopf. Wenn ich etwas verändern möchte im Betrieb, muss ich bei mir selbst anfangen. Und das geht nur, wenn ich mich besser kennenlerne. Das fängt damit an, dass einem die eigene Inkompetenz bewusst wird, dass Stärken und Schwächen klarer werden. Dabei habe ich bemerkt, dass Selbstführung mehr Zeit braucht, als ich dachte. Ich habe Schritt für Schritt in den letzten acht Jahren gelernt, mit meiner Ungeduld besser umzugehen. Ich bin schnell begeistert, kann visionär denken und klar analysieren und möchte sofort loslegen. Doch gut Ding will Weile haben. Heute gebe ich den Dingen mehr Zeit und halte es aus, eine Idee nur zu notieren und innerlich abzulegen für den passenden Zeitpunkt.

Wie zeigt sich das konkret im Alltag?

Nach dem letzten Einzelcoaching mit Arne Bär telefonierte ich auf der Rückfahrt mit einem meiner Meister. Er fragte mich: „Was gibt es Neues?“ Und meinte natürlich, welches Projekt wir neu anpacken würden. Meine Antwort: „Nichts.“ Ein anderes Beispiel. Zuletzt habe ich sehr konkret eine Betriebsübernahme in Karlsruhe geplant. Da war eigentlich schon alles klar. Ich wollte dort drei Monate die Startphase begleiten, mein hiesiges Team sollte mir dafür den Rücken freihalten. Doch dann erkrankte unser Bauleiter in meinem zweiten Münsteraner Betrieb schwer. Ich habe das Projekt abgeblasen, weil mir klar wurde, wie schnell wir schon mit den beiden Betrieben an den Rand der Belastbarkeit kommen.

Ein klarer Fokus für das Wichtige, ist das ein Ergebnis von Selbstführung?

Auf jeden Fall. Vielleicht noch ein Beispiel dafür. Anfang des Jahres hatten wir weniger zu tun, was im Winter ja immer wieder vorkommt bei Dachdeckern. Meine Meister wollten den Vertrieb und die Werbung intensivieren. Da habe ich gesagt: Wir bleiben ruhig. Was nützen mir ein paar Aufträge, wenn ich die Hälfte der Einnahmen vorher in Werbung investiert habe. Stattdessen haben wir die Zeit genutzt, um unsere Mustervorlagen für Angebote weiter auszuarbeiten. So können wir jetzt, wo die Nachfrage wieder anzieht, im Sinne der Kundenzufriedenheit schneller auf Anfragen reagieren.

Heißt das, dass Sie besser Prioritäten setzen können als früher?

Mir ist klarer geworden, was für meinen Betrieb und mein Leben wirklich wichtig ist. So arbeite ich nicht mehr am Wochenende. Denn ich möchte diese Zeit mit meiner Frau und meinen Kindern verbringen. Die sind jetzt in dem Alter, wo sie mich brauchen. Mehr Zeit mit der Familie, das ist eine Priorität

Was haben Sie noch gelernt in Sachen Selbstführung?

Meinem Vater fiel es immer schwer zu loben, das ist ein Teil meiner Geschichte. Das wollte ich als Führungskraft anders machen, auch wenn ich es nie gelernt hatte. Gute Leistungen hielt ich immer für selbstverständlich. Also habe ich neu eingeübt, wie ich meinen Mitarbeitern ehrlich und offen Wertschätzung entgegenbringen kann. Da musste ich schon mal über den eigenen Schatten springen. Doch es lohnt sich auf jeden Fall. Positives Feedback ist ganz wichtig für ein gutes Betriebsklima.

Wie sieht es mit Ihrer Wertschätzung für sich selbst aus?

Das fällt mir noch deutlich schwerer. Aber ich nehme mir inzwischen mehr Zeit für Dinge, die mir persönlich sehr wichtig sind. So gehe ich am Freitagmorgen eine Stunde zum Reiten. Und manchmal bin ich ganz früh am Tag auf der Pirsch im Wald unterwegs – als leidenschaftlicher Jäger. Das wäre mir früher nie in den Sinn gekommen an Arbeitstagen. Ich habe heute noch einen Rest von schlechtem Gewissen, wenn ich mir diese Zeit für mich nehme oder um 16 Uhr meinen Sohn vom Fußball abhole. Doch ganz klar: Die Zeit für mich lässt mich danach wieder motiviert und mit Freude meine Arbeit machen.

Was tun Sie noch, um sich und den Betrieb weiterzuentwickeln?

Ich nehme mir jeden Mittwochnachmittag ein paar Stunden Zeit, um unabhängig vom Tagesgeschäft nachzudenken. Darüber, wo ich aktuell stehe, wie es mir geht mit meiner Arbeit. Und darüber, wo ich hinwill, persönlich und mit den Betrieben. Es geht darum, den Horizont zu erweitern und nach vorne zu blicken. Und dafür muss ich mir Zeit freischaufeln. Das ist ein wichtiges Ergebnis meines Coachings gewesen. Und das kann ich jedem nur empfehlen.

Warum genau?

Reich und schön in 24 Stunden, das gibt es nicht. Meine Erfahrung ist: Ich muss Zeit in die eigene Entwicklung investieren, um mir für mein Unternehmen neue Horizonte erschließen zu können. Und dafür braucht es den Blick von außen, um die Scheuklappen zu verlieren. Arne Bär hat mir immer wieder klar gespiegelt, was tatsächlich Sache ist: Wenn Sie da am Ball bleiben, ernten sie auch die Früchte. Es braucht zunächst viel Zeit und Energie, um danach Zeit zu gewinnen und den Betrieb ertragreicher zu machen. Doch der Prozess lohnt sich. Mein Leben ist heute ausgeglichener und hat mehr Qualität.

Vielen Dank für das Gespräch.

Arne Bär
Über den Autor
Arne Bär, Jahrgang 1966, verheiratet, 3 Kinder, Dipl.-Ing. (FH). Er verantwortete mehr als 20 Jahre die Position des Geschäftsführers der G. Fleischhauer Ingenieurbüro Bremen GmbH, ein Unternehmen mit 40 Mitarbeitern aus der Informations- und Sicherheitstechnik. Für seine mitarbeiterorientierte Führung wurde das Unternehmen mehrfach ausgezeichnet. In seiner erfahrungs- und motivationsstarken Art leitet Arne Bär Seminare zur ganzheitlichen Führungskräfteentwicklung und begleitet Inhaber, Geschäftsführer sowie Führungskräfte der ersten Ebenen bei der Umsetzung vor Ort. Koautor eines branchenspezifischen Unternehmensmodells sowie des Managementbuches „Unternehmer beraten Unternehmen“. Arne Bär hält zahlreiche Vorträge, Workshops im In- und Ausland; möchte man den Zuhörern glauben, dann überzeugt nicht nur der Praxisbezug, sondern eine gute Portion hanseatischer Witz und Charme. Über sich selbst sagt er: „Ich bin ein Mann aus der Praxis für die Praxis.“